Denken

Worte sind Atome.

Das ist die Idee, genauer, die Entdeckung von Quantenschokolade:
dass sich mit Quantenphysik (der Lehre von der inneren Mechanik der Atome) auch die innere Mechanik der Worte, Sätze, Texte besser verstehen lässt. Oder das man so jedenfalls auf ein paar neue, verwegene Metaphern stößt.

Das klingt auf den ersten Blick seltsam, liefert erstaunlicherweise aber ein Erklärungsmodell und Textanalyse-Tool, das endlich nachvollziehbare, nicht-geschmäcklerische Antworten auf die ewige Frage liefert, warum eine Metapher, eine Zeile, ein Copyblock großartig sind. Oder großartig missraten.

Lohnt das?
Wenn man bisher schon gut mit seinen Bauch-Entscheidungen fuhr, keine Ahnung.
 Wenn man allerdings (so wie ich) glaubt, dass der Bauch nichts weiter ist als ein präziseres, vor allem aber schnelleres Großhirn, dann kann Quantenschokolade Erstaunliches:

Das Intuitive erklären.
 Analysieren, worauf der Bauch spontan, in Nanosekunden kommt.
Nachweisen, dass sein unbestimmtes Unwohlsein seine nebulöse Euphorie eben nicht geschmäcklerisch sind, sondern echte, begründete Wahr-nehmungen.
 Und das genau hier tiefe Einblicke in die tieferen Gesetze der Sprache winken.

Das kann ja jeder sagen. 
Ich weiß. Deshalb zeigt quantenschokolade am liebsten konkret, was es kann:
 An Schätzings “Am Limit”, an Uni-Flugblättern, an Andre Agassis Autobiographie und vor allem natürlich an Headlines von Ritter Sport und anderen (womit auch die Herkunft von “Quantenschokolade” geklärt wäre).

Es gibt, natürlich, einen Haken:
Um in den Genuss dieser (und zahlloser weiterer) Aha!-Ergebnisse zu kommen, muss man erst einmal wenigstens ungefähr verstehen, was Quantenphysik über Atome berichtet (nicht, dass die Quantenphysiker selbst das immer hinkriegen) – und was das für Worte bedeutet.
Aber keine Angst: das geht schnell und ist sogar hoch spannend.

 Wir alle schweben.

Würde man ein Atom auf die Größe einer Kathedrale ausdehnen, dann wäre sein Kern nicht größer als eine Fliege.
Alles andere, das gesamte restliche Atom ist –

IMG_1211Raum.
Raum, durchzogen von Elektronen, die nach den selbst für Physiker rätselhaften Gesetzen der Quantenphysik um einen kleinen, aus immer gleichen Protonen und Neutronen zusammengesetzten Kern kreisen.

Raum, so gewaltig (jedenfalls in Relation zu den Teilchen darin) dass niemand genau sagen kann, wo die Elektronen gerade sind.

Raum, so stabil, dass sich Materie (oder was, wir dafür halten) niemals wirklich berührt – es ist einfach zu viel Platz dazwischen.

(Woraus unter anderem folgt, dass, während wir glauben am Laptop zu sitzen, unsere Körper-Atome in Wahrheit etwa 1 Angström oder ein 10-Millionstel Millimeter über den Couch-Atomen schweben.)
Kurz: Materie ist alles mögliche – aber alles andere als materiell.

Und Worte?
 Ein kleiner, simpler Kern, zusammengesetzt aus immer gleichen 27 Buchstaben, umgeben von Räumen, manchmal Kathedralen aus Bedeutung. Kommt einem irgendwie bekannt vor…

“Garage” zum Beispiel.
 Der Kern sagt: Haus für ein Auto.
Aber darum herum jagen etliche Bedeutungs-Elektronen. Nahe am Kern heißen sie z.B. “Abstellraum”, “schlecht beleuchtet”, “Ölgeruch”.
Aber was Garage wirklich ausmacht, sind die Elektronen der nächsten und übernächsten Umlaufbahnen:
Sie heißen z.B.:  ”Startup”, “Silikon-Valley”, dann “Apple & Microsoft” und weiter draußen sogar “Rockband”.

Sich diese Bedeutungs-Elektronen bewusst zu machen ist kein Assoziations-Brainstorming, sondern essentiell um zu verstehen was passiert, wenn wir Worte/Atome kombinieren:

Jetzt nämlich (und auf genau dieser Ebene) entstehen zwischen “Garage” und den Worten in seiner Umgebung die entscheidenden Wechselwirkungen zwischen ihren Bedeutungs-Elektronen:
all die falschen Harmonien, die perfekten Dissonanzen das ganze unterschwellige Drama der Sprache. Und genau hier entscheidet es sich, ob eine Zeile einfach nur sauber getextet ist, oder uns umbläst.
Das gilt um so mehr, je dichter, geprägter, also mit Bedeutung aufgeladener Sprache ist. In einem einfachen Prosatext eines Garagenherstellers kommen die Elektronen höherer Ordnung kaum zum Zug. Da ist eine Garage eben eine Garage.
In einer Headline, einem Songtext kann das ganz anders aussehen.