Das Buch des Wandels

15 Essays über den Wandel und warum er das Beste ist, was uns passieren kann.

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DSC_4672Buch-Idee und Sparringsfreund:
Ralf Grauel
Agentur:
Ralf Grauel Strategic Publishing Mutabor
Kunde:
Clariant SE

 

 

 

 

 

 

 

 

Introduktion

Von Menschen, Mauern und Windmühlen

Wenn Sie dieses Büchlein zu Ende gelesen haben, werden Sie jemand anderes sein. Buchstäblich. Ungefähr 50 Millionen Zellen ihres Körpers werden sich in dieser Zeit durch das Reiben Ihrer Jeans, das Schneuzen ihrer Nase oder durch simples Sterben lautlos und endgültig von Ihnen verabschiedet haben.

Und zwar pro Sekunde.

Und ja, auch der Kuss, der ihnen heute morgen zum Abschied auf die Wange gedrückt wurde, hat sie Pi mal Daumen eine dreistellige Millionenzahl von Zellen gekostet. Aber keine Angst: In derselben Zeit wachsen ebenso viele Zellen nach und sorgen dafür, dass sie sie bleiben, abzüglich, zugegeben, etwas Schwund.

Es gehört also zu den Tatsachen des Lebens, dass wir – und der Rest des Universums – aus jeder neuen Sekunde verwandelt hervorgehen.

Schlau ist, wer das weiß. Noch schlauer ist, wer das nutzt. Denn dann kann man Wandel nicht nur als mal euphorischer, mal ratloser Zuschauer erleben, dann kann man Teil von ihm sein, ihn sich zu nutze machen oder, die beste aller Haltungen: ihn selbst vorantreiben.

„Wenn der Wind des Wandels kommt…“ so beginnt ein berühmtes chinesisches Sprichwort, um uns dann zwei Möglichkeiten des Umgangs mit ihm zu aufzuzeigen: „…bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen.“
Gut gefaucht, Drache! möchte man sagen, allerdings waren die Chinesen selbst, trotz der Weisheit ihrer Sprichwort-Schreiber ganz eindeutig dem Bau von Mauern zugeneigter: Jeder, der schon einmal die Aufnahmen unseres Planeten betrachtet hat, kennt die Ausmaße des gigantischsten Bauwerks der Menschheitsgeschichte, der Chinesischen Mauer. 21.000 Kilometer großartige, steingewordene Sehnsucht nach dem Status Quo. Und keine Windmühlen weit und breit.

Nicht, dass die Mauer langfristig viel genützt hätte. Am Ende konnte selbst dieses Weltwunder den Wandel, der in Form von mongolischen Reitern von Norden her angeritten kam, nicht aufhalten.

Wandel, das hat am Ende noch jede Kultur für sich entdeckt, ist eben keine zufällige Störung der natürlichen Ordnung der Dinge, die schon von selbst wieder aufhören wird, wenn man nur lange genug die Luft anhält.

Wandel IST die natürliche Ordnung der Dinge.

Denn Wandel ist einfach – da. Immer und überall. Er durchdringt jede Galaxie, jede Zelle, jedes Molekül. Er findet sich in den Gezeiten der Schlipslängen, den Verschiebungen der Kontinentalplatten, tüftelt in kalifornischen Garagen oder reitet auf mongolischen Ponys heran.

Heraklit besang ihn mit seinem panta rhei, dem „Alles fließt“, die moderne Quantenphysik bastelt Superstring-Theorien, um ihm auf die Schliche zu kommen und wir selbst erhaschen manchmal einen unverstellten Blick auf seine unwiderstehliche Kraft, wenn wir unsere zahnenden Kleinkinder ertragen.

Gegen den Wandel helfen also keine Mauern. Vielleicht sollten wir uns einfach darauf konzentrieren, mehr Windmühlen in die Welt zu setzen?